, Böhler Dominique, Geisel Jens

29er Schweizermeisterschaft nach Punkten, Neuchâtel, 22.-23. August 2026

Erste Regattaerfahrungen auf dem 29er und wertvolle Starkwindstunden auf dem Neuenburgersee

Bereits am Freitagabend begann das Abenteuer Neuchâtel mit dem Verladen der beiden 29er in Zug. Wer schon einmal versucht hat, Boote, Masten, Segel, Trailer, Werkzeugkisten und die gefühlt hundert weiteren unverzichtbaren Gegenstände für ein Regattawochenende zu organisieren, weiss: Das Verladen ist schon fast eine eigene Disziplin. Nach einigen kreativen Tetris-Einlagen auf und um den Trailer konnte die Reise schliesslich beginnen.

Die Vorbereitung auf die Regatta hatte allerdings schon früher begonnen. In den Wochen zuvor vermittelte Oliver Stoll unseren Nachwuchsseglerinnen und -seglern in mehreren Theorieeinheiten wertvolle Grundlagen für das Regattasegeln auf dem 29er. Unser "Drill-Trainer" hatte dabei nicht nur Vorfahrtsregeln, Taktik und Bootsbeherrschung auf dem Programm, sondern bereitete das Team auch auf das etwas intensivere Regattageschehen vor, das in der 29er-Klasse herrscht.

Für den YCZ gingen zwei Boote an den Start: Julien Böhler mit Vorschoter Nicola Dürrenberger sowie Lorena Weber mit Vorschoterin Laura Konopko-Powalka.

Geduldsspiel am Samstag

Der Samstag begann mit viel Warten- zu viel Warten. Wie so oft in Neuchâtel liess der Wind zunächst auf sich warten, während die Seglerinnen und Segler immer wieder hoffnungsvoll auf den See blickten. Erst gegen 17 Uhr setzte schliesslich die bekannte Neuenburger Thermik ein und ermöglichte den ersten Startversuch.

Lorena und Laura erwischten einen gelungenen Start und konnten sich zunächst gut positionieren. Im weiteren Verlauf gerieten sie jedoch etwas in den Windschatten der Konkurrenz und verloren dadurch wertvolle Plätze. Julien und Nicola hatten einen eher schwierigen Start, zeigten aber bereits auf der ersten Kreuz, dass sie kämpfen können. Mit einer guten Aufholjagd erreichten sie die erste Luvtonne im hinteren Mittelfeld des Feldes.

Das Rennen fand allerdings kein offizielles Ende. Der Wind drehte zu stark, weshalb die Wettfahrtleitung die Wettfahrt abbrach und das Feld zurückschickte.

Erste Regattaerfahrungen im 29er-Feld

Nach einiger Wartezeit etablierte sich schliesslich ein stabilerer Wind, und die Wettfahrtleitung setzte erneut einen Kurs aus.

Dabei galt es für beide YCZ-Crews vor allem, Erfahrung zu sammeln. Lorena und Laura segelten erst zum zweiten Mal überhaupt gemeinsam auf einem 29er. Für Julien und Nicola war es die erste Saison auf diesem anspruchsvollen Bootstyp und gleichzeitig die erste 29er-Regatta überhaupt.

Neben Geschwindigkeit und Bootshandling wartete noch eine weitere Herausforderung auf unsere Seglerinnen und Segler: das durchaus engagierte Umfeld im internationalen 29er-Feld. Im Vergleich zu den gewohnt O'pen-Skiff-Regatten ging es auf der Startlinie deutlich direkter zur Sache. Entsprechend erweiterten beide Crews ihr Vokabular um einige französische Ausdrücke, die vermutlich nicht in den offiziellen Lehrbüchern des Sprachunterrichts zu finden sind. Auch die zahlreichen Vortrittsrufe auf Französisch gehörten zu den neuen Erfahrungen dieses Wochenendes.

Julien und Nicola konnten den Lauf auf dem sehr respektablen 17. Rang von 21 gestarteten Booten beenden und damit einen gelungenen Einstand feiern. Lorena und Laura kämpften währenddessen noch mit einigen operativen Herausforderungen an Bord, sammelten aber ebenfalls wertvolle Erfahrungen unter Regattabedingungen.

Fondue, Chasselas und ein spontaner Rave

Nach dem langen Segeltag wurde der Abend deutlich entspannter angegangen. Beim gemeinsamen Nachtessen mit Neuenburger Fondue und «einem» Glas Chasselas für Trainer und Assistenztrainer wurden die Erlebnisse des Tages analysiert und die zahlreichen Eindrücke verarbeitet.

Der anschliessende, spontan entstandene rund zehnminütige Rave von Kindern und Trainern dürfte zwar kaum Eingang in die offiziellen Wettfahrtakten des Cercle de la Voile de Neuchâtel gefunden haben, sorgte aber für ausgezeichnete Stimmung. Danach ging es zurück ins Hotel, um Kraft für den Sonntag zu tanken.

Die richtige Entscheidung

Der Sonntag präsentierte sich mit nochmals deutlich mehr Wind. Nach einer gemeinsamen Lagebeurteilung entschieden sich Trainer, Seglerinnen und Segler, auf eine weitere Regattateilnahme zu verzichten und stattdessen die Bedingungen für ein mehrstündiges Starkwindtraining auf dem Neuenburgersee zu nutzen.

Diese Entscheidung erwies sich aus Sicht des Trainerteams wie auch der Jugendlichen als absolut richtig. Statt Resultaten hinterherzujagen, konnten die jungen Crews unter kontrollierten Bedingungen wertvolle Erfahrungen mit dem 29er bei kräftigem Wind sammeln. Bereits nach einem einzigen Trainingstag waren deutliche Fortschritte in Bootsbeherrschung, Manövern und Selbstvertrauen sichtbar.

So fiel die sportliche Ausbeute der Regatta zwar auf dem Resultatblatt bescheiden aus, der eigentliche Gewinn lag jedoch auf dem Wasser: viele neue Erfahrungen, wertvolle Lernmomente und ein grosser Schritt in der Entwicklung unserer beiden jungen 29er-Teams.

Ein herzliches Dankeschön an Oliver Stoll für die Vorbereitung und Betreuung sowie an alle Eltern und Helferinnen und Helfer für die Unterstützung bei Transport und Logistik. Wir freuen uns bereits auf die nächsten Einsätze unserer 29er-Crews.

Fotos: Dominique Böhler